Würzburg – Es ist fünf Uhr morgens und die Außentemperatur beträgt zwei Grad. In einem Auto sitzen Mauritius und ich auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen. Die Sitzheizung und der Gedanke nach einer 20 Stunden Reise an einem sonnigerem Ort zu sein, ist das einzige was in diesem Moment Wärme spendet. Viel zu früh sind wir am Flughafen, aber so langsam wachen wir beide auf und merken, dass der lang ersehnte Urlaub nun endlich zum Greifen nahe ist. Im Flugzeug sitzen wir nebeneinander und können beide nicht schlafen. Das Essen schmeckt Bescheiden.

Nach dem Umstieg und einem weiteren Sieben-Stunden-Flug kommen wir um 7:30 Uhr in Phuket an. Beim Verlassen des Flughafens kommt uns nass-warme Luft entgegen. Nach kurzer Suche finden wir unseren Fahrer Pag, mit dem wir zum Auto laufen. Der erste Stopp ist allerdings nicht das Hotel, sondern das NBTC-Office bei Phuket in dem wir unsere Drohne registrieren müssen. Auf der Fahrt sehen wir schon viele Kuriositäten, die einen erste mal staunen lassen. Vier Leute auf einem Roller, Linksverkehr ohne ersichtliche Straßenregeln und Stromleitungen über der Straße die jedem Elektriker Alpträume bereiten würden.

Nach dem Umweg von circa drei Stunden kommen wir endlich bei unserem Hotel und unserem Zuhause für die nächste Woche an. Das Hotel hat einen wunderschönen großen Pool, der natürlich erst mal getestet wird. Nach der Abkühlung geht’s auch schon zu unserer ersten „Mission“. Durchs Radio habe ich eine Würzburgerin (Andrea) kennengelernt, die in Thailand einen bayerischen Biergarten bewirtet. Seit drei Jahren betreibt Andrea diesen mittlerweile und wir wollen ihr natürlich asap „Hallo“ sagen. Im Biergarten gibt’s von Weissbier bis halbe Hähnchen alles was das deutsche Herz begehrt. Für uns bleibt es allerdings beim Thai-Curry, denn Schnitzel mit Pommes können wir auch zuhause. Mit Andrea verabreden wir uns gleich für den nächsten Tag und sie möchte uns während der ganzen Woche ihre Lieblingsorte zeigen.

Wenn man zurückblickt war das das beste was uns passieren konnte. Ein Local kennt die besten Leute, die besten Plätze und das beste Essen. Mit Andrea sehen wir über die Woche verteilt Wasserfälle, Elefanten und einen Fluss der sich „Little Amazon“ nennt. Wie im Amazonas fährt man hier mit einem kleinen Boot durch die Mangroven und sieht alles was die Natur in Thailand zu bieten hat – wilde Affen und unfassbar schöne Flora.

 

Bekanntlich ist Khao Lak auch beim Tsunami am 25. Dezember 2004 nicht verschont geblieben. 2500 Menschenleben hat die Welle gekostet. Deshalb besuchten wir auch zwei Memorials die an diese Katastrophe erinnern. Das grosse Polizeiboot das knapp zwei Kilometer ins Landesinnere geschwemmt wurde und die riesige Welle an der Angehörige Bilder, Erinnerungen und Tafeln für ihre Geliebten aufstellen. Diese Orte haben trotz 30 Grad und Sonnenschein so eine Tiefe, dass wir den ganzen Tag noch nachdenklich bleiben.

Ein grosses Highlight für mich waren die echten Elefanten die wir treffen konnten. Wichtig dabei war mir die gerechte Haltung der Tiere. Geritten werden die Tiere nicht und der einzige Kontakt mit Touristen ist beim Essen und beim Baden. Wir füttern die Elefanten mit einem grossen Korb Bananen und man merkt, wie es den beiden schmeckt. Beeindruckend, wie sie die kleinen Bananen mit ihrem Rüssel greifen und in den Mund stecken können.

Mit Andrea haben wir wirklich eine gute Zeit. Sie zeigt uns die Strände, die man alleine niemals finden würde. Wir sind quasi alleine und können es uns nicht nehmen lassen unsere Drohne steigen zu lassen. Als wir an einer kleinen Lichtung im Jungle halten um auch hier zu fliegen werden wir von einer erbosten Anwohnerin zurecht gewiesen. Sie spricht nur Thai und meint wohl die Polizei zu rufen um uns anzuzeigen. Unsere Genehmigung möchte sie natürlich nicht sehen. Na gut – wir haben nichts zu befürchten. Die Drohne ist angemeldet und sie wird es sowieso nicht leicht haben uns zu finden. Der Vermieter der Roller, mit denen wir eine Woche lang unterwegs sind, wollte weder Führerschein noch Ausweis sehen. Er hat also keine Infos wer wir sind und woher wir kommen. So wird es die Polizei schwierig haben uns zu finden. Das war nicht der einzige Kontakt mit der Polizei in Thailand. Auf der Rückfahrt ins Hotel, nach einem lagen Tagesausflug, hat uns die Polizei angehalten. Dazu muss man sagen, dass es in Thailand genau zwei Führerscheine gibt: Motorrad und Auto. Zweiräder jeder Art darf man nur mit dem Motorrad Führerschein fahren, den wir beiden natürlich nicht besitzen. Mit einem Puls wie bei einem Marathonlauf fahren wir rechts ran und der Beamte fragt nach unserem Führerschein. Mit selbstbewusstem Ton behaupte ich dieser liegt im Hotel und wir haben ihn leider nicht dabei. Er schaut uns an und mustert uns. Nach kurzem Überlegen sagt er es sei in Ordnung wir müssten aber 500 Baht zahlen, weil wir ohne Führerschein fahren. Das entspricht ca. 18 Euro. Nachdem wir bezahlt haben bekommen wir einen Wisch der uns nun erlaubt 24 Stunden lang jede Polizeikontrolle zu passieren. Wir haben ja schließlich schon mal bezahlt. Wir sind so erleichtert und wünschten uns dass Situationen wie diese auch in Deutschland so einfach zu lösen sind.

In der Nähe unseres Hotels finden wir einen kleinen typischen Markt mit vielen Garküchen, wie es in Thailand üblich ist. Die Karte ist riesig, sodass wir dort mehrmals essen gehen. Mauri tut sich am Anfang etwas schwer sich auf neues einzulassen, aber je öfter er und ich auch etwas neues ausprobieren, desto mehr positive Geschmackserlebnisse haben wir in unserem Urlaub.

In einer der vielen Strandbars die wir besuchen werden wir auf eine Full-Moon-Party eingeladen. Diese Einladung können wir natürlich schwer verneinen. An der Party gibt es Live-Musik, die typischen Kerzen-Ballons die man am Strand steigen lässt und viele „Kaltgetränke“. Dort treffen wir einige Freunde von Andrea die wir auch schon kennengelernt haben. Trotzdem zieht es uns zu einer jüngeren Gruppe, die eher unserem Alter entspricht. Mit einem dummen Spruch, den ich später „das dritte Bier“ genannt habe gesellen wir uns zu der Gruppe aus Finnen, Holländern und anderen internationalen jungen Leuten. Bei dem Spruch bestellen wir drei Bier für uns Zwei, gehen zu der Gruppe und behaupten der Barkeeper hat uns ein Bier zu viel gegeben und fragen ob jemand Durst hätte. Der Trick funktioniert und war der Eisbrecher. Wir kommen schnell ins Gespräch und nach kurzer Zeit wollen wir alle weiter in eine andere Bar. Der Abend wird lang und wir versacken quasi bis vier Uhr nachts. Durch viele blöde Zufälle verlieren Mauri und ich uns in der Bar. Ich mache mich auf die Suche und laufe das ganze Viertel ab. Keine Spur. Trotz Wucherpreise für’s telefonieren und Datenroaming rufe ich Mauri tausende Male an. Einmal geht er ans Telefon, meint aber er verstehe mich nicht uns legte auf. In großer Sorge nehme ich mir ein Taxi und fahre ans Hotel. Zum Glück hatte ich grade genug Geld, denn eigentlich hatte Mauri die Gewalt über unsere Reserven an diesem Abend. Ich komme ans Hotel – Tür verschlossen, Licht aus und kein Mauri in Sicht. Daraufhin laufe ich eine weitere Stunde ums Hotel herum und bin vollkommen ratlos was ich machen soll. Wie aus einem Wunder erscheint Mauri irgendwann aus der Dunkhelheit und wir fallen uns in die Arme. Er erzählt mir, er wollte auch ein Taxi nehmen, nachdem wir uns verloren haben, hat aber keins gefunden. Daraufhin ist er den kompletten Weg gelaufen, der wirklich nicht kurz war. Vielleicht lag es auch am ein oder anderen Bier zu viel, aber wir haben uns schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt. Erleichtert legen wir uns ab.

Wie immer geht die zweite Hälfte der Reise viel schneller vorbei und wir rauschen auf die letzten Tage zu. Ein grosses Highlight wartet allerdings noch. Die Insel Khakukhao. Endlose einsame Straßen und freilaufende Wasserbüffel. Ausserdem wirklich der schönste Strand den wir sehen durften! Wunderschöne Holzhütten und ein toller Palmenwald führen zum Sandstrand. Mehrere hundert Meter muss man ins Wasser bis die Beine komplett nass sind. Hier verbringen wir eine gute Zeit bis wir uns auf die Suche nach den Büffeln machen. Gefunden! Abseits der Hauptstraße finden wir sie an einem Wasserloch. Badend und in der Sonne liegend lassen sie sich nicht stören. Nur die Drohne, die wir aus sicherer Entfernung über die Tiere steigen lassen scheucht sie etwas auf. Deshalb belassen wir es bei ein paar Shots und wollen die Wasserbüffel nicht länger stressen.

Durch den Fahrtwind auf der Heimfahrt merken Mauritius und ich nicht wie die Sonne erbarmungslos auf die Haut ballert. Verständlich, dass wir uns beide noch einen ordentlichen Sonnenbrand holen. Bei einer Bar wird uns schnell geholfen. Frische Aloe Vera Pflanzen werden in Eis gekühlt, aufgeschnitten und das Gel auf die schlimmsten Stellen von Mauris Sonnenbrand gerieben. Der Sonnenbrand geht dadurch nicht weg, die Schmerzen und die Rötung sollen aber gelindert werden. Immer wieder unfassbar, wie freundlich die Thailänder uns gegenüber sind. Eine Eigenschaft, die man sich für die Heimat mindestens im Gedächtnis halten sollte.

Heimat ist leider auch schon das Stichwort für unseren letzten vollen Tag. An diesem liegen wir nur am Strand und geniessen die Sonne. Abends gehen wir zusammen Essen und begreifen wie viel uns dieser Urlaub gebracht hat. Wir haben lange davon geträumt und nun hat es geklappt. Das kollegiale Arbeiten macht uns sehr viel Spaß, ursprünglich sind wir aber Freunde, was man nie vergessen darf. Dieser Urlaub hat uns wieder um einiges näher gebracht und wir können motiviert in ein neues, hoffentlich erfolgreiches, Jahr 2020 starten.